16. April 2011: In Ahwaz, der Provinzhauptstadt Khuzestans im Südwesten des Iran, demonstrieren Angehörige der arabischen Minderheit der Ahwazi gegen die „Iranisierung“ ihrer Region, sowie für ein Ende ihrer Diskriminierung. Sicherheitskräfte schießen daraufhin mit scharfer Munition in die friedliche Menge. Knapp 30 Demonstranten werden getötet, hunderte festgenommen. Eine Untersuchung der Vorgänge fand nicht statt.
27./29. Januar 2014: Nach fast drei Jahren in Gefangenschaft wird Hashem Shaabani in einem unbekannten Gefängnis hingerichtet. Der 32-jähige Vater wurde bereits im Juni 2012 zum Tode verurteilt. Der Vorwurf: Feindseligkeit gegen Gott sowie Konspiration gegen staatliche Sicherheit. Shaabani war neben seinem Beruf als Lehrer bekannt für seine, sowohl persische als auch arabische, Poetik, die er nicht veröffentlichen durfte, jedoch bei Gesprächskreisen vortrug. Er setzte sich aktiv für das Weiterleben der arabischen Sprache und Kultur im Iran ein. Shaabani selbst sagte, dass die einzige Waffe, die er je nutzte, sein Stift gewesen sei. Doch in seinem nur minutenlangen Prozess, in dem ein unter Folter erzwungenes Geständnis als Beweis diente, hatte er keine Chance sich gegen die Vorwürfe zu wehren.
Hashem Shaabanis Schicksal ist kein Einzelfall: Allein im Dezember 2013 wurden mindestens vier Ahwazi hingerichtet. Daneben kommt es immer wieder zu Berichten über Gefangene, die zu Tode gefoltert werden.
Doch wer genau sind die Ahwazi und warum werden sie vom iranischen Regime verfolgt?
Die Ahwazi sind Araber, die im Südwesten des Irans zuhause sind. Sie stellen mit ca. vier Millionen Angehörigen zwei Prozent der iranischen Bevölkerung. Genau wie die iranische Regierung sind die Ahwazi Schiiten, sprechen jedoch einen arabischen Dialekt. Dadurch ist dieser Minderheit der Zugang zu Bildung, welche ausschließlich auf Farsi stattfindet, verwehrt und ca. 70 Prozent der männlichen und fast 100 Prozent der weiblichen Ahwazi sind Analphabeten. Tiefe Armut prägt ihr Leben und das, obwohl ihre Heimat die ölreichste Region des Irans ist und hier etwa 90 Prozent des iranischen Erdöls gefördert wird.
Seit der Iranischen Revolution 1979 werden von der Regierung Programme durchgeführt, um den arabischen Einfluss im Iran zu mindern und somit die Ahwazi stärker zu „iranisieren“. Dazu gehört unter Anderem, dass Landeigentum den Ahwazi enteignet und persischen Siedlern übertragen wurde.
Zunehmend wird die kulturelle Identität der Ahwazi durch gezielte Maßnahmen der iranischen Regierung unterdrückt. Damit wird nicht nur der Erhalt der Sprache, sondern auch der jahrhunderte alten Kultur der Ahwazi bedroht und die Gemeinschaft der Ahwazi systematisch von der Verbesserung ihrer ökonomischen Lage gehindert. Hashem Shaabani setzte sich aktiv für die Anerkennung seiner Gemeinschaft im Iran ein – und bezahlte dafür mit seinem Leben.